Anna Karenina

Ein komplexer Roman in 8 Teilen und eindeutig viel zu vielschichtig und psychologisch feinst verwoben, um ihn in einer kurzen Inhaltsangabe greifbar zu machen. Ein riesiges Werk, 1878 erschienen (steht nicht mehr zur Auswahl ;-). Erzählt wird die Geschichte der adligen Familie Karenin, einer dekadenten, in gesellschaftlichen Normen erstarrten Sippe. Die Kälte ihres Gatten treibt die sensible Anna dem wesentlich jüngeren Grafen Wronskij in die Arme. Diese stark sexuell orientierte Beziehung endet im Fiasko. Schließlich richtet Anna sich selbst, aber auch ihren Mann und den Geliebten zugrunde. In der anderen großen Figur des Romans, dem Gutsbesitzer Lewin, hatte sich Tolstoi selbst verewigt. Dessen Rückzug aus der Moskauer Gesellschaft und seine Selbstbescheidung auf ein bäuerlich schlichtes Leben verkörperten auch Tolstois Ideale.

Meine Gedanken zum Buch: 

Sicherlich ein Meisterwerk der Literaturgeschichte. Ich muss zugeben, ich habe es ausschließlich begonnen zu lesen, weil man einen Tolstoi 'mal gelesen haben "muss" und zwischenzeitliche 20 Seiten lange Passagen über die politische Situation Russlands am Ende des 19. Jahrhunderts oder über die Maximierung der Ernteerträge haben mich auch dazu veranlasst die eine oder andere Seite zu überfliegen. Aber der Kern der Geschichte - Großartig, wenn auch nicht ganz einfach zu lesen.

Verlag: 
Atrium Verlag AG
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3491961968 / ISBN-10: 3491961963

Kommentare

Mich hat der berühmte Roman nicht geradezu überwältigt, aber das Buch ist viel leichter zu lesen, als ich mir es vorgestellt habe. Vor allem fand ich den Handlungsstrang um Lewin und seine Kitty sehr langatmig und teilweise auch sehr langweilig. Dessen Überlegungen zur Landwirtschaft oder zur Kommunalpolitik haben mich nicht interessiert, ebensowenig wie seine philosophischen Betrachtungen und religiösen Erleuchtungen. Leider hat Tolstoi diesen beiden Figuren vor allem gegen Ende des Romans sehr viel Beachtung geschenkt, während man etwa über Alexej Karenin nicht mehr viel erfährt.
Meine Lieblingsfigur war nämlich der Betrogene und zwar auf Grund seiner Handlungsweise. Er hat von Anfang an um seine Ehe gekämpft, wenn auch nicht mit sehr viel Gefühl, aber das kann man ihm nicht zum Vorwurf machen. Es gibt sehr viele Menschen, die ihre Empfindungen nicht zeigen können und der Staatsdiener Karenin gehört eben auch zu diesen. 
Sich scheiden zu lassen war damals sicher noch ein - vor allem für Frauen - sehr gefährliches Abenteuer. Anna Karenina hat sehr viel riskiert, ihre gesellschaftliche Stellung genauso wie eine gesicherte Existenz. Vor diesem Schritt wollte sie ihr Mann auf jeden Fall bewahren und auch den Sohn wollte er ihr nicht vorenthalten. Das tat er ja erst auf den Rat einer guten Bekannten hin. Was mich aber besonders berührt hat, war die Art und Weise wie er mit der Tochter von Anna und Wronskij umgegangen ist und sich immer um das Kind gekümmert hat als wäre es sein eigenes.
Aber auch Anna Karenina kann man es nicht verübeln, dass sie sich in den gutaussehenden Wronskij verliebt hat. Tolstoi beschreibt sehr eindrucksvoll wie diese Liebe wie ein Strohfeuer aufflammt, aber ebenso schnell wieder erlischt. Schon nach kurzer Zeit geht Wronskij wieder seinen Geschäften nach, Anna fühlt sich vernachlässigt, unverstanden und schließlich ungeliebt und so nimmt die Katastrophe ihren Lauf. 

Die großen Werke der russischen Weltliteratur sind fast immer umfangreich (salopp gesagt dicke Schinken), es wird fast immer gut gegessen und getrunken, die Geschichte ist langatmig (NICHT langweilig) erzählt und man braucht meist (zumindest ich) einen Spickzettel auf dem die Namen und die verwandschaftlichen Verhältnisse skizziert sind, sonst verliert man leicht den roten Faden.

Allein bei Anna Karenina sind es 5 (fünf) Familien und deutlich über 20 wichtige Personen, Tolstoi (selbst ein Adliger) liefert in dem Buch ein Sittengemälde der sozialen, familiären, politischen und rechtliche Situation im zaristischen Russland Ende des 19ten Jahrhunderts ab. Was letztlich auch zum Untergang des Adels und des Zarentum führen wird, ja muss !

Der Leitsatz Tolstois in Anna Kerenina
„Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“

wird heute noch als Anna-Karenina-Prinzip in der Wissenschaft verwendet, salopp erklärt sagt es aus :

Erfolg hat viele Faktoren, die alle stimmen müssen.
Zum Misserfolg reicht ein Faktor, der nicht stimmt.

Rotbart

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