Anderland

Joan Aikens unterhaltsamer Roman spielt Anfang der sechziger Jahre in der englischen Provinz. Hier, im Nest Floxby Crucis, lebt Pandora, künstlerisch hochbegabt, mit ihrer Mutter. Als die Musikerfamilie Morningquest das in der Nähe liegende Gut Anderland kauft, ändert sich das eintönige Dasein des jungen Mädchens. Frau Morningquest, Jugendfreundin von Pandoras Mutter, ist eine bekannte Sopranistin. Sie, ihre sechs Kinder und andere im Haushalt lebende Familienmitglieder vermitteln Pandora die Wärme, die ihr immer gefehlt hat. Als Pandoras Mutter stirbt, wird "Anderland" das Zuhause der Verwaisten. Und nach und nach erfährt sie jetzt auch etwas über ihre eigene Herkunft, die die Mutter immer im Dunkeln gelassen hat.

Meine Gedanken zum Buch: 

Ein herrlicher Roman! Joan Aiken versteht es, Menschen so zu beschreiben, dass man sehr bald ein klares Bild von ihnen hat. Sie bietet tiefe Einblicke in Pandoras Wesen, wir begleiten sie gleichsam auf der Suche nach ihrer Vergangenheit und dem Schlüssel zu ihrem eigenen Leben. Unterhaltsam, lustig, fröhlich, traurig und bewegend wird die Geschichte der Familie Morningquest erzählt, die untrennbar mit der Pandoras verbunden ist. Ein wunderbares Lesevergnügen für Freunde des intelligenten Unterhaltungsromans.

Plötzlich blitzte mich Onkel Grischa lächelnd an. "Ich erzähl dir noch etwas, das ich in Auschwitz entdeckt habe: Immerfort, unser ganzes Leben lang, bezahlen wir  - zahlen mit Geld, Atem, Energie. Sobald du erwachsen bist, fängt das an. Jeder Atemzug kostet Geld - für Gas, für Elektrizität, Miete, Steuer, Essen. Das ganze Leben kostet, alles und jedes kostet Geld. Bloß, wenn du zum Beispiel ein Buch liest, kostet das nichts." "Doch. Du hast ja das Buch gekauft." "Aber du bezahlst nur einmal. Dann ist es deins. Oder du leihst es dir aus der Bibliothek. Und du kannst es viele Male lesen. Und jedesmal lernst du etwas Neues daraus. Kostenlos! Oder du betrachtest ein Bild, sagen wir, ein Selbstporträt von Rembrandt. Es lehrt dich alles, was es über Resignation und Leiden zu wissen gibt. Auch kostenlos. Also kostet die Kunst nichts." "Sollte jedenfalls nichts kosten", sagte ich und sann darüber nach. "Darum eben ist die Kunst besser als die Wissenschaft...."

Seitenangabe für Zitat1: 
104
Verlag: 
Diogenes Verlag
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3257060195