American Psycho

Patrick Bateman sieht gut aus, ist gut erzogen und intelligent. Tagsüber sitzt er in seinem Büro in der Wall Street und vergrößert seinen Reichtum. Seine Nächte verbringt er auf unfassbare Weise. Er ist ein Serienmörder und lebt seinen ganz eigenen amerikanischen Traum. 'American Psycho' läuft drohend, grollend wie Unwetter an, und plötzlich schlägt der grausame Blitz ein: Die Banalität des Schrecklichen, die wir verdrängen wollen, trifft uns und zwingt uns, das Unerträgliche wahrzunehmen: die Oberflächlichkeit, die Brutalität, mit der wir uns abfinden. In einer Medienwelt, die jedes Thema lächelnd in drei Minuten abhandelt - vom Holocaust über die Salatbar zum Krieg - ist dieses Buch ein Schuß ins Herz, Picassos Guernica vergleichbar.

Meine Gedanken zum Buch: 

American Psycho ist ein extrem gesellschaftskritisches Buch, welches sicher nicht für jeden geeignet ist. Detailgenaue Beschreibungen von Bekleidung, Lokalen und Essen wechseln sich mit den Beschreibungen der Morde ab.  Es ist ein Buch über Oberflächlichkeit, Gefühllosigkeit,  Pornographie, Frauenverachtung und grausamster Gewalt, in einem dazupassenden Schreibstil geschrieben. Trotzdem: Sehr gesellschaftskritisch und lehrreich - aber auch sehr schockierend! In jedem von uns steckt ein klein  wenig von  "Patrick Bateman"! Nochmals zur Warnung: Nicht für jeden geeignet. Das Buch polarisiert. In meiner persönlichen Wertung gebe ich 9 von 10 Punkten.          

Verlag: 
KiWi
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
978-3462036992

Kommentare

Frage: ist der Inhalt dieses Buches mit Inhalten der forensischen Psychologie abgeglichen - oder schreibt der Autor einfach was nieder was er sich denkt? Also haben die Gedankengänge auch was mit der Forschung gemein - oder schreibt der Autor nur aus seinen eigenen Erfahrungen bzw. Beobachtungen?
lg sonja

lg
sonja

der Autor beschreibt detailliert die Folterung von Frauen und deren Ermordung - aus dem ganz subjektiven Blickwinkel des Patrick Bateman. Wissenschaft und Forensik spielen hier keine Rolle, es geht um eine grundlegende Kritik an der oberflächlichen Gesellschaft New York's.

Ja, die Folterungen und Morde werden detailliert beschrieben. Manche bezeichnen das Buch auch als Satire - da kann ich mich nicht anschließen.
Das Wichtigere für mich sind aber die psychologischen Eigenschaften des Patrick Bateman im Alltag. Da ist sicher sehr viel Authentisches vom Autor drinnen, andernfalls könnte er das nicht so schreiben. Klar, wissenschaftlich ist das in einem Roman natürlich nicht.

liegt nicht in der Beschreibung der Morde sondern in Bateman's Alltag. Ich hab das damals auch sehr zynisch gefunden, wie er sich in dieser oberflächlichen Gesellschaft bewegt, in der keiner sich auch nur den Namen des Anderen merken kann. Daraus ergibt sich durachaus eine gewisse Komik, die natürlich umgehend durch den nächsten Mord gebrochen wird. B.E.E. hat ja schon in seinem jugendlichen Erstlingswerk "Less Than Zero" die Gesellschaft in L.A. auf die Schaufel genommen, und ich gehe davon aus, dass sich in Bateman's Alltag auch eigene Erlebnisse wiederfinden.

Das Buch ist genauso, wie Ihr beschrieben habt. Ich habs im Urlaub gelesen und so empfunden: Schockierend, sehr gesellschaftskritisch, und man braucht gute Nerven. Sicher nicht für jeden.
Die Tatsache, dass in dieser Gesellschaft keiner mehr den anderen kennt, nur noch Äußerlichkeiten zählen und die beschriebenen Personen eigentlich nichts mit sich und ihrer Zeit anzufangen wissen, ist sehr real beschrieben.
Schockierend, dass Bateman die Morde gesteht und ihm nicht geglaubt wird, sondern die Sache belächelt wird.
Da das Buch sehr detailgetreu ist, in allen Belangen, sicher keine leichte Kost. Drückt auch auf die Stimmung...