Alte Weiber

Vieles verändert sich wenn wir älter werden. Der Körper wird schwächer und anfälliger, wir bekommen Falten und das Bindegewebe verliert seine Straffheit. Aber werde ich auch eine Andere, nur weil ich mich äußerlich verändere? Altern auch der Geist, die Lust und die Liebe? Und: Warum nehme ich meine Umwelt anders wahr als früher? Wie sieht mein anderes Ich aus, das alternde, und schließlich, das alte? Was steht mir noch zu als alternde Frau, was kann ich einfordern als Ausgleich für das, was ich zu geben bereit war und immer noch gebe? Diese Fragen werden von Eva und Marlene - eine 75, die zweite gerade 50 geworden - höchst unterschiedlich gesehen und beantwortet, und es überrascht die Tatsache, dass der freie und radikale Zugang zu oft tabuisierten Themen rund um das Alter eher die Sache der Alten ist, die sich nicht mehr in das Korsett gewohnter Konventionen pressen lassen. Die beiden Frauen erzählen einander in Alte Weiber ihre Lebensgeschichten, die Briefe geben aber nicht nur Einblick in individuelle Lebensmodelle, sondern sind auch Zeugnisse der sozialen Strukturen, der Missstände in unserer Gesellschaft, die zwar das immer Älterwerden mit allen Mitteln propagiert und provoziert, letztlich aber dem Altsein ängstlich und unvorbereitet gegenübersteht, und mit den Geistern, die sie rief, nichts mehr zu tun haben möchte. Ein schonungsloses, unterhaltsames und "trotz allem" optimistisches Buch.

Meine Gedanken zum Buch: 

Das Buch brachte mich zum Lachen aber auch zum Nachdenken. Ich finde die Idee der Autorin, dass 2 Frauen im Zeitalter von Mails und SMS NOCH Briefe schreiben. Das Buch war eine Bereicherung und es wäre ein Buch mit "Alte Weiber 2" wünschenswert.

Ich war deutlich über 50, müde, verbraucht, übergewichtig, und meine einzige Freude waren meine Bücher (die zwar meinen Geist, aber nicht meinen Körper in Schuss hielten). Ich habe ja Ihnen ja schon angedeutet, dass sich damals einiges bewegt hat bei mir. Der körperliche Zusammenbruch, die finanziellen Sorgen, die Familienkrise, es gab keinen Tag ohne mittlere Katastrophe, bis ein neuer Mann in meinem Leben auftauchte. Er hat meine Buchhandlung renoviert (von Berufs wegen) und mich gleich dazu. Er war viel jünger als ich, hatte in seinem Leben noch kein Buch gelesen und war in jeder Hinsicht anders als alle Männer in meiner Umgebung. MArlene, es ist nciht übertrieben, wenn ich sage, dass er mich "wiederbelebt" hat.

Seitenangabe für Zitat1: 
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Ich muss lachen, wenn die Mediziner nicht müde werden, uns davor zu warnen, dass die Zahl der demenzkranken Menschen in den kommenden Jahrzehnten dramatisch ansteigen wird. Ja klar wird sie das! Demenz ist eine Alterskrankheit, und würden nicht immer mehr Leute sehr alt, gebe es auch nicht so viele Demente. Gäbe es nciht so viele Motorradfahrer, gäbe es auch nicht so viele tödliche Motorradunfälle. No risk, nos fun, würden meine Enkel sagen, das gilt da wie dort.

Seitenangabe für Zitat2: 
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Die ultimative Enttäuschung ist dann das, was einer Bekannten widerfuhr: Alles war vorbereitet für die Pflege ihrer Mutter daheim. Die Krankenschwestern organisierte, das Zimmer adaptiert, das Pflegebett gekauft, organisatorisch alles perfekt. Nur den Faktor Mensch hat vergessen, und der ist eben ein einziger Unsicherheitsfaktor. Genau drei Tage nach der Übersiedlung ist die alte Dame verstorben. "Jetzt, wo wir alles so schön hergerichtet haben." Als ob das Herrichten, Ordnungschaffen etwas mit der Realität des Lebens zu tun hätten! Wir können uns gegen Feuer, Sturm und Hagel, gegen Hochwasser und Blechschäden, gegen Blitzschlag und Haushaltsunfälle versichern, aber nicht gegen das Leben (denn auch die Lebensversicherung gilt erst nach dem Tod).

Seitenangabe für Zitat3: 
98
Verlag: 
Styria-Verlag
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
10: 3-222-13250-X