Alles über Sally

Alfred und Sally sind seit 30 Jahren ein Paar und haben, zumindest dem Alter nach, drei erwachsene Kinder. Zu einer harmonischen Ehe haben sie es allerdings nie gebracht, dazu sind die lebenshungrige Lehrerin und der, in seiner Alltagsroutine verharrende Alfred zu verschieden. Sally wünscht sich frischen Wind in ihrem Leben, aber nicht unbedingt mit Alfred. Und so beginnt sie eine Affaire mit Erik, dem besten Freund ihres Mannes. Dass sie nun ihrerseits zur Betrogenen wird, trifft Sally sehr und letzten Endes wird sie wohl mit Alfred weiterwursteln.

Meine Gedanken zum Buch: 

Ich muss zugeben, ich war enttäuscht, weil ich mir viel mehr erwartet hätte. Zwar hat Arno Geiger die unterschiedlichen Charaktäre des Ehepaares ganz gut herausgearbeitet, aber das war's dann auch schon mit meiner positiven Kritik. Die Geschichte selber  ist nie richtig in Fahrt gekommen, sondern war großteils sehr langatmig, um nicht zu sagen, langweilig. Die Gespräche und Gedanken sind mir oberflächlich vorgekommen, und auch die Beschreibung der vielen Banalitäten des Alltags, die liebenswert hätte sein können, war im konkreten Fall vor allem unappetitlich und peinlich. Der ewig tagebuchschreibende Alfred mit seinen stützstrumpfgeschützten Varizen hat es mir jedenfalls nicht angetan. Und auch in Sally konnte ich keine reife, selbstbewußte Frau ausmachen, sondern eher eine verblühende Schönheit, die ihrer schwindenden Anziehungskraft nachtrauert.  Meiner Meinung nach ein Roman, den man durchaus nicht gelesen haben muss.  

Verlag: 
DTV
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
978-342-3-140-188

Kommentare

Ich hab dieses Buch nach nur einigen Seiten weggelegt, da mir das Thema zu traurig war. Vielleicht bin ich mal stark genug dafür. Nach deiner Beschreibung allerdings ...
Aber ich schätze Geiger sehr. "Der König in seinem Exil" war wunderbar.

"Der alte König in seinem Exil" war für mich auch der Grund, einen Roman von Arno Geiger zu versuchen. Umso größer die Enttäuschung daher im konkreten Fall.
Ich werde aber noch etwas anderes von ihm zu lesen probieren. Vielleicht war die Sally ja auch nur ein Ausrutscher. Talent hat er ganz sicher.
Liebe Grüße, Sylvia

Und, wie geht`s beim zweiten Versuch voran????
 
Die Erfahrung, die auch Silly gemacht hat... haben wohl auch schon viele andere gemacht.
Obwohl das Buch zu Beginn so hoch gelobt wurde, hab ich in letzter Zeit eher magere Meinungen davon gehört. Bin auf dein Fazi gespannt.

Bin jetzt irgendwie nicht soo negativ verwundert, wie kalt sie mit ihm umgeht. Nach dem dürren Anfang sind nun die beiden recht bildlich vorstellbar. Ich glaube, man ist nicht immer gleich "stark" für ein arges Buch. Jetzt passt das bei mir gut. Zitate folgen.

  1. Ansonsten war weit und breit nichts Einfaches in Sicht. (A. Geiger)

     
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  2. 1h
    Er stolperte durch einen letzten Satz. (A. Geiger)

     
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  3. 1h
    Und auch aus Sally Mund kamen Worte. (A. Geiger)

     
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  4. 1h
    Wer war das überhaupt? Sympathische Frau. Ach ja, Sally, die Mutter seiner Kinder. (A. Geiger)

     
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  5. 1h
    Warum schaffen wir uns alldie vielen Dinge an, wenn wir nicht imstande sind, zu Hause zu bleiben? (A. Geiger)

 

....  komisch, obwohl dieser Roman von so vielen Seiten her gelobt wird... hab ich in letzter Zeit auch schon sehr häuft das Gegenteil gehört.... steht ja eigentlich auf meiner to-do-Liste, aber vielleicht sollte ich doch umdisponieren....
 

Lies einfach mal rein, Claudia! Es geht ja doch nichts über die eigene Meinung. Vielleicht gefällt Dir die Sally samt ihrem Alfred ja!
Mir passiert das oft, dass ich ratlos vor hochgelobten Werken stehe und mir nach dem Lesen denke: Wieso ist das denn nun in der Presse oder bei Literatursendungen so hochgepuscht worden? Aber auch der umgekehrte Fall ist möglich, dass ich von einem Buch begeistert bin, an dem sonst anscheinend niemand etwas findet.
 

vielleicht les ich mal rein, aber Vorrang hat es auf jeden Fall nicht.....
 
ja, die hochgelobten Werke.... das ist oft so eine Sache..... es gibt leider sehr viele Autoren, die sind schon fast unantastbar.... haben den "Bekanntheits-Bonus" oder wie auch immer man das nennen will... das neue Buch ist noch nicht mal gscheit am Markt und schon wird`s in den höchsten Tönen gelobt... ich finde, sehr oft sind Leser einfach nicht ehrlich oder wagen es nicht, ihre richtige Meinung zu sagen.... weil, es kann/darf ja im Grund garnicht sein, dass ein Roman mal nicht so ins Schwarze trifft.... und wenn er nicht gefällt, dann hat man ihn eben nicht richtig gelesen oder nicht richtig verstanden....

Das denke ich auch, dass so mancher Leser sich nicht recht zu sagen traut, wenn ihm etwas nicht gefällt. Vor allem bei Autoren, die einen gewissen Bekanntheitsgrad haben.
Ich denke aber, dass man seine ehrliche Meinung ruhig äußern soll und darf, wenn man nicht beleidigend wird. Ist eben alles nur eine Frage der Wortwahl.

  1. Sie kam näher heran und fragte mit der Beharrlichkeit eines orientalischen Händlers, ... (A. Geiger)

     
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  2. 2m
    Sie musterte Alfred kühl, das Gesicht in Lächelbereitschaft, das Lächeln wurde ausgefolgt. (A. Geiger)

     
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  3. 3m
    Er beendete die Mahlzeit mit einer kleinen Tasse erdöldickem Mokka. (A. Geiger)

     
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  4. 3m
    Die Beamtin erklärte mit Kantenschlägen ihrer Hand, wie es um die Rechtslage stehe. (A. Geiger)

     
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  5. 4m
    ...zum Beispiel konnte er ganz kurz zwischen zwei Worten lachen ... (A. Geiger)

 

  1. Sibirien sollte groß genug sein für sein Ego. (A. Geiger)

     
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  2. 36s
    Ich kann der Heldenfigut nicht gerecht werden, zu der ich mich selber gerne machen möchte. (A. Geiger)

     
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  3. 1m
    Was für eine Pest grassierte in manchen Köpfen! (A. Geiger)

     
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  4. 2m
    Sie hörte ein kurzes Stöhnen. War ich das, die gestöhnt hat? (A. Geiger)

     
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  5. 2m
    Einige Haarzungen leckten über ihr großflächiges Gesicht, als sie den Kopf herumwarf. (A. Geiger)

     
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  6. 3m
    ...als die schlimmsten Pessimisten vermutet haben. (A. Geiger)

     
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  7. 3m
    Die leichte Möglichkeit, jederzeit Kontakt aufnehmen zu können, bringt eine sehr viel schrecklichere Zerrüttung in die Welt, ...

     
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  8. 4m
    Er streckte dem Bildschirm die Pantoffeln entgegen. (A. Geiger)

     
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  9. 5m
    Dann stolpere halt weiter ahnungslos herum. (A. Geiger)

     
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  10. 5m
    Da warf der Topf dem Kessel vor, er sei schwarz. (Redewendung, exzellent eingebaut von A. Geiger)

     
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  11. 7m
    Aufgrund eines Gaumenkrebses hat Freud am Ende seines Lebens so stark aus dem Mund gestunken, dass sogar seine Hunde ihn gemieden haben.

     
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  12. 9m
    Die alpenländisch dekolletierte Direktorin analysierte Freuds zwanghaften Rindfleischkonsum. (A. Geiger)

     
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  13. 10m
    Er war ein Mühlviertler Bauer, wie seine Mutter es ausdrückte, erheblich avanciert in der Kunst des Reindlauskratzens. (A. Geiger)

     
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  14. 11m
    Wollen mich die Lemuren abfüllen? (A. Geiger)

     
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  15. 11m
    Graue Hochwasserhosen sorgten dafür, dass auch die Socken nicht zu kurz kamen. (A. Geiger)

 

Ein äußerst trauriges und ergreifendes Buch. Soll man die den Gatten betrügende Sally verstehen, entschuldigen, unterstützen, ...? Ich weiß es nicht. Geiger schreibt so gut, intensiv, und realitätsnahe, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Beste Szene ist das Freud-Treffen in Kairo. Um Gottes Willen - was da alles geboten wird! Und das ganze noch dazu aus der Sicht von Sally. Würde mich schon interessieren, was Leserinnen dazu sagen. Auch glaube ich nicht, dass Gatte Alfed einfach nur "unschuldig" das Buch verlässt. Ich stehe bei S 257 und bin gespannt. Geiger schafft es aus jedem Thema (und sei es noch so arg) gute Literatur zu machen. Einer der größten Schriftsteller unserer Zeit.

  1. Durch geglückte Reparaturen bekommen Dinge einen emotionalen Mehrwert. (A. Geiger)

     
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  2. 1m
    Rufen ist leichter als Kommen. (A. Geiger)

     
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  3. 2m
    Wie stehen die Aktien? sie sind unterwegs. (A. Geiger)

     
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  4. 2m
    Und? Was machen Sie hier? sie hat mich angelächelt und gesagt, ich warte auf mein Raumschiff ... (A. Geiger)

     
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  5. 3m
    Wie ist der Kern? man lobt die Oberfläche, aber der Kern ist nichts wert, richtig? (A. Geiger)

     
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  6. 4m
    Der Käfer in seinem Loch ist ein Sultan. (A. Geiger)

     
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  7. 5m
    Ihre Erinnerung funktionierte ausgesprochen selektiv ... (A. Geiger)

 

Nun gut, sehr trauriger Beginn - sehr versöhnliches Ende. Was liegt alles dazwischen? Ehebrüche auf beider Seiten. Und immer wieder fanden beide zueinander. Zum Haareraufen oder Gott sei Dank? ich glaube, da scheiden sich die Meinungen. Deswegen ist dieses Buch auch unterschiedlichst bewertet. Bewegend und tränendrückend. Ich empfehe dieses Buch für LeserInnen so ab 30. Klingt vielleicht eigenartig, aber vorher kann das nur schwer nachvollzogen werden.