Aimee und Jaguar. Eine Liebesgeschichte, Berlin 1943

Berlin 1942. Lilly Wust, 29, verheiratet, vier Kinder, führt das Leben von Millionen deutscher Frauen. Doch dann lernt sie die 21-jährige Felice Schragenheim kennen - es ist Liebe fast auf den ersten Blick. "Aimee & Jaguar" schmieden Zukunftspläne, schreiben einander Gedichte, Liebesbriefe, schließen einen Ehevertrag. Als Jaguar-Felice ihrer Geliebten gesteht, dass sie Jüdin ist, bindet dieses gefährliche Geheimnis die beiden Frauen noch enger aneinander. Doch ihr Glück währt nur kurz. Am 21. August 1944 wird die Jüdin Felice verhaftet und deportiert. Erica Fischer ließ sich von der 80-jährigen Lilly Wust die Geschichte erzählen und verarbeitete sie zu einem eindringlichen Zeugnis.

Meine Gedanken zum Buch: 

Mich hat an dem Buch natürlich fasziniert, dass es biographisch ist, also dass Lilly Wust tatsächlich all diese Dinge erlebt hat. Dass sie es trotz Mutterkreuz und 4 Kindern gewagt hat, zu ihrer wahren Liebe zu stehen, auch als sich diese als große Gefahr für ihre eigenen Existenz erwies. Dass das Ende todtraurig ist, muss man wohl nicht erwähnen. Aber man kann im Grunde aus solchen Geschichten immer nur die Hoffnung schöpfen, dass es immer so starke Menschen gibt, die ihre Ideale und die Menschlichkeit über ihre eigenen Interessen stellen.  

Verlag: 
Kiepenheuer & Witsch
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3462034998

Kommentare

Eine der wunderbarsten und einfühlsamsten Liebesgeschichten, die ich je gelesen habe. Man meint die Gefühle dieser Frauen fast greifen zu können. Trotz all der Tragik des Krieges und dessen Folgen durchdringen  Zärtlichkeit und Erotik  Buch und die Gedichte... und lassen einem die brutale Realität für diese kurzen Augenblicke vergessen. So wie es vielleicht diese 2 Frauen auch empfunden haben,  deren Liebe über all das Leiden steht.
Aus dem Buch:
Vieles, was ich denke,
ist wie ein Gedicht,
das ich dir zärtlich schenke,
aber du hörst es nicht.
Denn manche Worte vertragen
die Helle des Tages nicht,
man könnte sie niemals sagen,
ohne dass es etwas zerbricht...
Denn ich kann´s ja nicht sagen -
Du musst dich über mich neigen,
damit will ich alle Fragen
zu dir hinüberschweigen.
Manches kann man nicht sagen,
ohne dass etwas zerbricht -
die letzten Dinge vertragen
sogar ein Flüstern nicht.
Du musst dich über mich neigen
und mach die Augen zu -
dann will ich´s hinüberschweigen
zu deinem geliebten Du.
Nachts
Ich liebe das: Mich über dich zu neigen und in dein schlafendes Gesicht zu sehen,wenn durch das dichte dämmergraue Schweigen nur deine leisen Atemzüge wehen.Wenn meine Augen über deine klaren und mir so sehr vertrauten Züge streifen, kann ich von jenem zarten Wunderbaren, das du mir gibst, unendlich viel begreifen. Wie in ein Kunstwerk, das ein Großer schuf, so senke ich mich tief in dich hineinund lausche deiner stummen Lippen Ruf. Doch plötzlich fühle ich: Ich bin allein!Weit fort bist du. In lähmendem Erschreckenerkenne ich die Ferne, die dich hält -und reiße dich empor, um dich zu wecken, damit du wiederkehrst in meine Welt.
(Liebesgedicht von Felice an Lilly)