Afrikanische Tragödie

Die weiße Farmersfrau Mary Turner wird von ihrem schwarzen Hausdiener Moses ermordet. Der Täter versucht nicht einmal zu fliehen, sondern wartet geduldig auf die Polizei. Erst im Rückblick kommt die ganze Tragik der Geschichte, die in den 30iger und 40iger Jahren des 20. Jahrhunderts in Rhodesien spielt, an den Tag. Mary hatte vor ihrer Heirat eine gutbezahlte Stelle als Sekretärin und führt ein selbstbestimmtes Leben. Mit etwa 30 Jahren glaubt sie, verunsichert durch die Bemerkungen einiger ihrer Freundinnen, unbedingt heiraten zu müssen, und so nimmt sie den erstbesten Interessenten zum Ehemann. Doch die Ernüchterung folgt auf dem Fuße. Dick Turner lebt in äußerst tristen häuslichen Verhältnissen und kann seinem Land trotz ununterbrochener Arbeit kaum das Nötigste zum Leben abringen. Mary dagegen hat keine rechte Beschäftigung und kann auch mit ihrem schwarzen Hauspersonal nicht umgehen. Ihre eigene Unzufriedenheit läßt sie nörglerisch und ungerecht gegen die Eingeborenen werden. Als auch der Versuch, in ihr früheres Leben zurückzukehren, scheitert, verfällt Mary in eine schwere Depression.

Meine Gedanken zum Buch: 

Der 1950 erschienene Roman von Doris Lessing hat wohl bis zum heutigen Tage nichts von seiner Faszination verloren. Mit bewundernswertem psychologischem Einfühlungsvermögen beschreibt die Autorin den psychischen und physischen Verfall einer Frau, die ihre Unabhängigkeit aufgibt, um den gesellschaftlichen Konventionen Genüge zu leisten. Und auch sprachlich paßt sich Doris Lessing ihrer Geschichte perfekt an. Aus jedem Satz spricht die jeweilige Stimmungslage der Protagonisten, Marys Verdrossenheit, resultierend aus Einsamkeit und Langeweile, Dicks Hilflosigkeit als Farmer und Geschäftsmann oder der Unwille und die gleichzeitige Unterwürfigkeit der schwarzen Arbeiter. Selten hat ein Roman meine eigene Stimmungslage so beeinflußt wie dieses grandiose Werk. Das Verhältnis Marys zu Moses ist nicht ganz einfach zu durchschauen, aber ich denke, dass jeder Leser hier seine eigene Interpretation finden wird. Jedenfalls ist die Spannung gegen Ende fast unerträglich, und das, obwohl der Leser über den Ausgang der Geschichte von Anfang an Bescheid weiß. Wie armselig erscheinen dagegen die krampfhaften Versuche so mancher moderner Krimiautoren, den Leser bei Laune zu halten. Und umso erstaunlicher, dass diese Autorin den Nobelpreis erst 2007 erhielt.

Verlag: 
Fischer Taschenbuch
Auflage: 
18. Auflage
ISBN: 
9783596257478

Kommentare

Wenn man den Lebenslauf der Autorin sieht, kann man sofort auf den Gedanken kommen, es ist ein autobiographischer Schlüsselroman.
Hatten nicht ihre Eltern genau dieses Schicksal der beschriebenen Farmerfamilie ? Große Farm und trotzdem kaum Einnahmen, Ihr Vater ein Ex-Kolonialoffizier, der möglicher Weise eine vergleichbare Einstellung zu der farbigen Bevölkerung hatte ?

Rhodesien diese "Klein-England" indem alles was Wert hatte in englischer Hand war - schließlich sah Cecil Rhodes ja die Engländer als Krone der Schöpfung an und Afrika nur als eine Art Materiallager zur Mehrung des Reichtums von England !

Das Kind Doris Lessing muß es sehr schwer gehabt haben und all dies wird im Buch (verklausuliert) dargestellt , zumindest m.M. nach.

Rotbart

P.S. Der Nobelpreis war übrigens recht umstritten Smile

Es gibt keine schlechten Bücher -
es gibt nur unfähige Autoren

Ja, sicher viel autobiographisches, wenn man über ihr Leben liest und dann diesen Roman. Ich hab mir während der Lektüre auch oft gedacht, dass sie das selber erlebt haben muss, sonst kann man nicht SO darüber schreiben. Und die mißglückten Projekte, die sie im Buch Dick Turner zuschreibt, z. B. der Traum, durch Maisanbau reich zu werden, hat es in ihrer Familie auch gegeben. Überhaupt soll ihre Kindheit, wie Du schon geschrieben hast, sehr hart gewesen sein.
Die Debatte über den Nobelpreis hab ich damals auch mitverfolgt, aber für mich ist sie nun mal eine großartige Schriftstellerin, egal, wie andere Zeitgenossen das sehen. Aber gerade über den Literaturnobelpreis sind sich nie alle einer Meinung. Da haben es die naturwissenschaftlichen Disziplinen wahrscheinlich viel leichter.

Ich habe einige Bücher von Lessing gelesen, die mich zutiefst beeindruckt und berührt haben. Was man ihr vorwirft, ist wohl, dass sie die Rolle der Frau nicht intensiv genug vertreten hat, bzw. nicht in der Art, wie man es von ihr erwartet hätte. Wie auch immer, ich fand, dass ihr der Nobelpreis zehnmal eher zustand als Elfriede Jelinek. Aber das ist halt immer Geschmackssache.

Dass die Frau Jelinek den Nobelpreis bekommen hat, versteh ich bis heute nicht. Mir fehlt einfach der Sinn für ihre ewigen Schimpftiraden ...

Ich hab von der Jelinek ein einziges Buch gelesen, das mir gefallen hat, das war "Die Klavierspielerin", alle anderen fand ich einfach nur ätzend. Inhaltlich und vor allem auch vom Stil her.

Mein Fall ist sie auch überhaupt nicht, weder inhaltlich noch stilistisch. Früher hab ich mich auch noch über ihre Art und ihr Gehabe in der Öffentlichkeit geärgert, jetzt ignoriere ich einfach alles, was sie von sich gibt. Ist mir zuviel negative Atmosphäre um die ganze Frau drumherum.