Accabadora

Wie Mutter und Tochter leben Bonaria Urrai und die 6-jährige Maria zusammen. Die Bewohner des sardischen Dorfes sehen den beiden verwundert nach und tuscheln. Dabei ist alles ganz einfach: Die alte Schneiderin hat das Mädchen, die vierte Tochter einer bitterarmen Witwe, zu sich genommen und zieht es groß, dafür wird Maria sich später um sie kümmern. Doch ein Geheimnis umweht die stets schwarz gekleidete, wortkarge Frau, die mitunter nachts, wenn Maria schlafen soll, Besuch erhält und dann das Haus verlässt. Maria spürt, dass sie nicht danach fragen darf. Erst sehr spät entdeckt sie die ganze Wahrheit.

Meine Gedanken zum Buch: 

Eine nette Geschichte von einem Mädchen und ihrer Pflegemutter. Sardinien in der Mitte des vorigen Jahrhunderts hat jetzt ein Gesicht für mich bekommen. Sardische Ausdrücke und Gebräuche machen diese Zeit und diesen Ort lebendig. Die Accabadora, eine Frau, die Sterbenden in Agonie zum Sterben verhilft, wird mir aber ein wenig zu selbstverständlich dargestellt. Laut Glossar ist sie Gegenstand vieler sardischer Legenden, aber heute, wenn die Diskussion um die Sterbehilfe Tatsache ist, scheint es mir doch wesentlich, seinen Standpunkt zu beziehen. Und meiner ist da sehr kritisch.   Ach ja, das Buch habe ich bei bookreaders letzten Herbst gewonnen! Danke!

Ein Mann, der sich den Respekt der anderen verdienen will, vollbringt manchmal auch grundlos gute Taten, für die schlechten dagegen muss er stets notwendige Gründe haben.

Seitenangabe für Zitat1: 
65

Maria Listru lächelte vor sich hin ...Was immer auch in dieser Nacht passiert sein mochte, was immer Andría glaubte gesehen zu haben, als die Sauce fertig war, hatte Maria sich davon überzeugt, dass die Frau, die ihr beigebracht hatte, sich die Hände zu waschen, bevor sie sprach, sie nicht belogen haben konnte, und schon gar nicht bei so einer Sache.
Es gibt Dinge, die man tut, und Dinge, die man nicht tut, dachte sie; un die Dinge, die man tut, tut man auf eine bestimmte Art.

Seitenangabe für Zitat2: 
117
Verlag: 
Verlag Klaus Wagenbach Berlin
Auflage: 
Erstauflage
ISBN: 
978 3 8031 3226 0